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Warum sind eBooks so teuer?

von nicole faerber , 22.04.2013, Woche 17

Es ist schon seltsam... überall wird seit einiger Zeit massiv die Werbetrommel für die neuen eBooks gerührt - eBook, elektronisches Buch. Nicht zuletzt der online Händler Amazon ist mit seinen Lesegräten "Kindle" ein Vorreiter der Branche und vermochte es mit seiner Markdominanz im online Bücherhandel dem eBook zum Durchbruch zu verhelfen. Denn neu ist diese Idee nicht.

Etwa 2005 wurden die ersten Geräte mit sogenannten eInk [1] Anzeigen angekündigt, einer Technologie, deren Anzeigequalität an Kontrast und Schärfe einem mit Tinte (engl. "ink") bedruckten Recyclingpapier schon sehr nahe kommt. Als weiteres besonderes Merkmal kommt hinzu, dass eInk Displays bistabil sind, d.h. sowohl die weißen als schwarzen Bildpunkte erhalten ihren Zustand, auch wenn die Stromzufuhr unterbrochen wird. So wurde es erstmals möglich, elektronische Lesegeräte zu bauen, deren Batterien extrem lange haltbar sind - die Hersteller geben die Laufzeit nicht mehr in Stunden an, sondern wie oft umgeblättert werden kann. Und das ist bei den meisten Geräte einige tausend mal.

Jetzt zeichnen elektronische Bücher, so wie jegliche elektronisch verfügbare Information, einige Eigenschaften besonders aus. Ein Hauptmerkmal ist es, dass elektronische gespeicherte Information, und nichts anderes ist ein eBook, praktisch kostenlos vervielfältigt werden kann. Die Kopie eines eBook kostet, im Gegensatz zu einem realen Buch aus Papier, den Verleger also praktisch kein Geld. Es muss keine Papier eingekauft, keine Druckerei eingerichtet, keine Exemplare gedruckt, eingelagert und verschickt werden. Die gesamt Logistik eines Verlages fällt einfach weg. Und damit selbstverständlich auch die Kosten dafür.

Jetzt hat diese praktische Seite auch einen Nachteil, für die Verlage. Denn das was die Verlage können, können Benutzer dann nämlich auch: Kostenlose Kopien anfertigen! Schluss mit schlechten Fotokopien, Loseblattsammlungen und sich langsam auflösenden Buchbindungen. Die elektronische Kopie ist immer frisch, wie am ersten Tag.

Und schon stecken wir mitten in der digitalen Zwickmühle unserer Zeit. Das alte Geschäftsmodell der Verlage, sei es nun Bücher oder Musik oder anderes sogenanntes "geistiges Eigentum" (diesen Begriff sezieren wir ein anderes mal), zerfällt. Es ist in der digitalen Zeit nicht mehr plausibel, warum ein Verlag Alleinvertretungsansprüche für bestimmte Inhalte haben kann, denn schlußendlich verkommt die Aufgabe der Verlage zum Marketing und der Verwaltung der Tantiemen. Bald wird es Internetplattformen geben, in denen sich Autoren selbst vermarkten können und die Verlage werden endgültig obsolet.

Doch was machen die Verlage? Sie klammern sich an ihr überholtes Geschäftsmodell und versuchen unter dem Deckmantel des Schutzes des sog. "geistigen Eigentums" digitale Schutzmechanismen durchzusetzen. Und nur, um ihre eigene Existenz zu sichern. Es geht hier nicht um die Autoren und deren mageres Auskommen. Es geht hier ganz allein um die Rechteverwerter, denn sie sind aktuell die größten Profiteure der Digitalisierung - Reduktion der Kosten auf ein Minimum, Maximierung der Profite.

Und dies geschieht nicht nur dadurch, dass die Kosten gegen Null gehen - ja gut, Lektorat und ggf. Vorschüsse an die Autoren gibt es nach wie vor. Aber eben keinen Buchdruck, kein Lager keine Vorfinanzierung mehr. Aber es geht ja noch weiter. Der digitale Kopierschutz, das sog. "Digital Rights Management", kurz DRM, sorgt dafür, dass der Nutzen eines solch geschützten Werkes für den Kunden stark eingeschränkt wird. Denken Sie mal zurück an Ihre ersten Bücher? Wann war das? Als Kind vielleicht? Haben Sie davon noch eines? Gar zwei oder mehr? Und was ist mit den anderen passiert? Weitergegeben?

Und hier fängt es an spannend zu werden. Über DRM ist man, im Gegensatz zum Papier-Buch, nicht mehr Eigentümer über eine Sache - mit dem Inhalt, dem Text - sondern der Benutzer wird zum Lizenznehmer. Man erwirbt nicht das Eigentum an einem Buch sondern man erwirbt lediglich eine Lizenz, diese Information zu konsumieren. Diese Lizenzbedingungen sind zuweilen äußerst länglich und selbst für ausgewiesene Juristen nur schwer zu durchschauen. Es ist allerdings auch richtig, dass eine solche Lizenz vergeben wird, denn ohne diese wäre die elektronische Information praktisch Freiwild und jeder könnte damit anstellen, was er/sie wollte - unter dem eigenen Namen nochmal veröffentlichen, das Werk etwas umschreiben und dem originalen Autor damit etwas unterstellen etc. Gute Dinge und böse Dinge könnten passieren. Doch bleiben wir zunächst beim DRM

DRM sorgt nun dafür, dass der Lizenzgeber und seine Helfer, wie bspw. Vertreiber wie Amazon, kontrollieren können, wie, wo und im Zweifelsfall auch wann der Inhalt des lizensierten Werkes konsumiert werden darf. In der Regel wird der Benutzer davon keinen spürbaren Nachteil erleiden, es sei denn...

...nunja, es passiert "etwas". Denn über DRM behält der Lizenzgeber unter Umständen auch nach dem Kauf noch das Recht und die technischen Mittel, den Gebrauch der lizensierten Sache einzuschränken. So geschah es nun schon mehrfach bspw. bei Amazon[2]. Und dies ist nun ein gravierender Unterschied zum normalen Papier-Buch - habe ich ein Papier-Buch in der Buchhandlung rechtmäßig erworben, so habe ich ein Eigentumsrecht an diesem Objekt erworben. Seit der Erfindung des Buchdrucks geht mit dem Eigentum am Buch auch eine Lizenz für dessen Inhalt einher, die damit also auch reichlich unwiderruflich wird. Ganz anders ist dies aber nun in der digitalen Welt. DRM basiert auf kryptographischen Verfahren, von denen meist nur die Grundlagen aber nicht die reale Ausgestaltung bekannt sind. In der Regel wird zur Entschlüsselung noch ein Teil des Geheimnisses vom Lizenzgeber benötigt. Bleibt dieser aus, bleiben die Seiten leer.

Amazon hat dieses Verfahren über den eigenen Shop bishin zu den eigenen Lesegeräten, die Kindle, durchgezogen und hat damit die Hoheit über alle Inhalte der Benutzer. Geht der Benutzer online und synchronisiert sein Lesegerät mit der "Cloud" von Amazon, kann es sein, dass es Amazon für rechtmäßig empfindet, einmal erworbene Inhalte vom Gerät wieder zu löschen. Und dies ist Bestandteil der Lizenzbedingungen! Vollkommen ausgeschlossen mit realen Büchern, doch mit eBooks vollkommen normal, wie es scheint.

Und Amazon sind nicht die einzigen, jedoch waren sie wohl die ersten, die es in dieser Perfektion umgesetzt haben. Neben dem Aspekt des Kontrollverlusts auf Seiten des Benutzers gibt es noch einen weiteren schweren Nachteil der eBooks mit DRM. Es ist fast unmöglich, ein solches eBook weiter zu geben. Und damit muss ja nicht gleich eine Kopie gemeint sein. Einfach das Buch dem Freund oder der Freundin, Verwandten oder Bekannten mal "leihen". Mit DRM eBooks praktisch ausgeschlossen. Diese "geschützten" Bücher werden mit dem Lesegerät oder Programm auf dem PC derart verknüpft, dass schon die Neu-Installation des Betriebssystem dazu führen kann, dass man seine Inhalte nicht mehr konsumieren kann. An eine Weitergabe ist da gar nicht erst zu denken.

Und als letzten, aber nicht minder wichtigen Apsekt, der Wiederverkauf. Wir alle kennen sie noch, die Antiquariate und Flomärkte, auf denen man nach alten Bücher stöbern und Raritäten und Schnäppchen finden konnte. Oder einfach nur das eigene Bücherregal entrümpeln und noch ein bisschen Geld, vielleicht für ein neues Buch, einnehmen. Dies geht mit DRM Büchern nicht mehr. Denn eine Weitergabe ist schon fast unmöglich und ein Wiederverkauf durch die Lizenzbedingungen in aller Regel sogar explizit untersagt.

Für die Verlage und Verwerter also eine Win-Win-Win Situation. Für den Verbaucher? Eher Win-Lose-Lose. Man verliert das Eigentum sowie weitere essentielle Nutzungsmöglichkeiten, wie die Weitergabe oder den Wiederverkauf. Die Verlage bekommen neue Märkte, denn sie haben effektiv und höchst effizient den Gebrauchtmarkt ausgeschaltet und die Nutzungsmöglichkeiten limitiert.

Also, warum sind eBooks dann noch so teuer? Meist kostet die DRM geschützte eBook Version das gleiche wie das Taschenbuch, wenn überhaupt vielleicht gerade mal ein oder zwei Euro weniger. Was soll das!?


[1] eInk
http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronisches_Papier

[2] Amazon löscht Bücher
http://www.fr-online.de/wirtschaft/kindle-e-book-amazon-loescht-bibliothek-----und-schweigt,1472780,20686718.html


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