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Verlogenheit der Politik - Homosexuelles Outing Hitzlsperger

von nicole faerber , 09.01.2014, Woche 02

Das sich Thomas Hitzlsperger offen zu seiner Homosexualität bekennt, ist mutig. Das er es bewusst in die Öffentlichkeit trägt, um so mehr. Und das er damit seine Prominenz ausnutzt, um auf ein nach wie vor bestehendes Problem hinzuweisen, zeugt durchaus von Größe. Chapeau.

Was dieses Beispiel allerdings leider auch zeigt ist, dass weder wir hier in Deutschland noch die Welt im Grossen und Ganzen, immernoch keinen korrekten Umgang mit sexuellen oder geschlechtlichen Devianzen pflegen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich Herr Hitzlsperger zu dieser Aktion genötigt sieht? Schon alleine die Tatsache, dass am heutigen Tag praktisch alle Medien von dieser Meldung dominiert werden zeigt, dass wir noch lange nicht so weit sind, wie wir vorgeben zu sein! Denn die korrekte Reaktion auf solch eine Offenbarung wären eigentlich: So what, was soll's? Niemand würde einen solchen Aufriss darüber machen, wenn sich irgendein Promi als heterosexuell outen würde. Also schon alleine die Tatsache, dass soetwas Nachrichtenwert bekommt, ist eine Blamage und Ohrfeige für unsere Gesellschaft und zeigt mehr als deutlich, dass wir noch einen weiten Weg zu wahrer Akzeptanz zu gehen haben.

Aber gut. Werten wir es als wohlwollende Kritik an unserer Gesellschaft, an uns allen, fassen uns an die eigene Nase und fühlen uns ermahnt, alles in unserer individuellen Macht zu tun, um diese Akzeptanz zu fördern und zu etwas völlig Selbstverständlichen werden zu lassen.

Wofür ich allerdings keinerlei Verständnis habe ist die hastige Erklärung unserer "verehrten" Bundesregierung in Form von Regierungssprecher Seibert:

"„Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen nur aus Angst vor Intoleranz.“ In den vergangenen Jahren habe Deutschland hier schon enorme Fortschritte gemacht. „Wir leben im Großen und Ganzen im Respekt voreinander unabhängig davon, ob der Mitmensch Männer liebt oder Frauen liebt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert."
(Quelle: FAZ online)

Dies ist vor Verlogenheit kaum noch zu überbieten. Diese Regierung, die im Wesentlichen die gleichen Ziele bzgl. Integration und Gleichstellung von abweichenden Lebensmodellen verfolgt, wie die Regierung zuvor muss sich doch die Frage gefallen lassen, wo sie denn diesen Respekt in den vergangenen acht Jahren gezeigt hat? Fast alle Ansätze zur juristischen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften im Vergleich zu einer heterosexuellen Ehe sind derart entkernt worden, dass es an eine Farce grenzt. Ist dies ein respektvoller Umgang? Dies ist etwas, was im Verantwortungsbereich der Regierung liegt. Sie könnte damit dafür sorgen, dass es in der Tat "unabhängig davon [ist], ob der Mitmensch Männer liebt oder Frauen liebt“. Heute ist es dies nicht! Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind nicht der Ehe gleichgestellt.

Selbstverständlich sind dies alles auch Probleme, die gerade eine christlich konservative Regierung in Rechtfertigungsprobleme bringt. Das will ich ganz sicher nicht verleugnen. Genau dies führte ja auch dazu, eben weil konservative Kreise sowie die Kirchen Druck ausübten, dass entsprechende Gesetze verschoben, gekürzt und entkernt wurden. Dies ist auch das Recht dieser Regierung, denn der Mehrheit der Bevölkerung, die sie gewählt hat, wurde damit Rechnung getragen. Es gefällt mir nicht, aber so funktioniert Demokratie.

Was aber gar nicht geht ist diese perfide Selbstbeweihräucherung! Es kocht in mir, wenn sich eine Regierung, die praktisch nichts für das Erreichen dieser Ziele getan hat, sich anschliessend lobhudelnd hinstellt und alles für gut erklärt - "..die Probleme der Homosexuellen sind hiermit beendet." - frei nach Pofalla. Sie hätte besser geschwiegen. Dies wäre der Wahrheit näher gekommen.


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